Der Pflegegradantrag ist der erste Schritt, um Leistungen der Pflegekasse zu erhalten. Viele Angehörige sind unsicher, wann und wie sie den Antrag stellen sollen. In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen den gesamten Ablauf — von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Bescheid.
Wann sollten Sie den Antrag stellen?
Stellen Sie den Antrag, sobald die pflegebedürftige Person regelmäßig Hilfe im Alltag benötigt — etwa beim Anziehen, Waschen, Essen oder bei der Orientierung. Es gibt keine Mindestvoraussetzung: Bereits leichte Einschränkungen können zu Pflegegrad 1 führen. Je früher Sie den Antrag stellen, desto früher erhalten Sie Leistungen, denn diese werden ab dem Monat der Antragstellung gezahlt.
Wie stellen Sie den Antrag?
Der einfachste Weg ist ein Anruf bei der Pflegekasse der versicherten Person — diese ist bei der jeweiligen Krankenkasse angesiedelt. Bitten Sie dort um die Zusendung eines Antragsformulars. Alternativ können Sie den Antrag formlos schriftlich per Brief oder Fax einreichen. Wichtig: Notieren Sie sich das Datum der Antragstellung, da es für die Leistungsberechnung relevant ist.
Welche Fristen gelten?
Die Pflegekasse hat nach Antragseingang fünf Wochen Zeit, um über den Antrag zu entscheiden. Wird diese Frist überschritten, steht Ihnen für jede angefangene Woche Verzögerung eine Zahlung von 70 Euro zu. In dringenden Fällen, etwa bei einem Krankenhausaufenthalt, kann ein Eilantrag gestellt werden, der innerhalb von zwei Wochen bearbeitet werden muss.
Was passiert nach der Antragstellung?
Nach Eingang des Antrags beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst (MD) mit einer Begutachtung. Ein Gutachter vereinbart einen Termin und besucht die pflegebedürftige Person in der Regel zuhause. Auf Basis des Gutachtens empfiehlt der MD einen Pflegegrad, über den die Kasse dann entscheidet.
Tipps für einen erfolgreichen Antrag
Führen Sie vor dem Antrag ein Pflegetagebuch, in dem Sie alle Hilfestellungen und deren Dauer dokumentieren. Sammeln Sie ärztliche Berichte, Krankenhausentlassungsberichte und Medikamentenpläne. Unterschätzen Sie den Pflegebedarf nicht — beschreiben Sie immer den schlechtesten Tag, nicht den besten. Bitten Sie einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe um kostenlose Beratung.
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